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Börsen

Reptilienbörsen, braucht es die?
Nein! Was vor über 10 Jahren mit
kleinen, überschaubaren Börsen begann, wo sich nur gleich gesinnte für
einen Tausch oder Schwatz trafen, ist Heute zu einem Massentreffen von
schnäppchengeilen Pseudozüchtertreffen geworden, welche entweder auf
das schnelle Geld hoffen oder eben schnell ein neues Haustier brauchen
oder einfach nur die Zeit vertreiben wollen. Aussteller, welche Ihre
Tiere mit viel Wissen und Herzblut gezüchtet haben, sind immer rarer,
da sie nicht bereit sind, ihre Tiere für ein paar wenige Franken zu
verscherbeln.
Reptilienbörsen erleben in den letzten Jahren leider einen immer größer werdenden Boom, was mehr Nachteile als Vorteile für die Terraristikszene mit sich bringt. Wir selbst haben früher einige Börsen als Aussteller besucht, im frühen Sommer 2009 nach nur einer Börse in diesem Jahr uns jedoch für immer verabschiedet. Auf die Gründe hierfür möchten wir kurz eingehen, da wir immer wieder darauf angesprochen werden.
Der Hauptgrund war, dass der ganze Stress für die Tiere nicht mehr zu verantworten war, da jast jedes Wochenende eine Börse stattfindet und vorallem auch, weil seit ca. 2 Jahren vermehrt "Nicht-Terrarianer" die Reptilienbörsen anstelle eines Zoo`s besuchten und teils rücksichtslos die Behälter der Tiere schüttelten, kippten, an die Scheiben der Behälter hämmerten, Tierbehälter zu Boden stießen oder vor allem spontan, ohne irgendwelche Grundkenntnisse sich schnell ein neues Haustier kaufen wollten, welches dann in den meisten Fällen schnell verleidete oder sogar nach kürzester Zeit verstarb.
Ein weiterer Grund ist die "Geldgier" mancher Börsenveranstalter. Wurde früher noch Fr. 10.00 für einen Tisch verrechnet, sind es Heute Fr. 50.00 oder sogar noch mehr. Dazu kommen teilweise horrende Preise (Fr. 12.00 für ein Liter Mineral) für die Verpflegung oder Getränke. Wenn man bedenkt, dass einige Börsenveranstalter mit den Tischmieten, Einnahmen der Eintritte und der Verpflegung um die Fr. 15`000.- Gewinn pro Börse machen, ist es teils verständlich, dass jedes Jahr noch mehr Reptilienbörsen veranstaltet werden. Die Probleme, welche aus Börsen entstehen, sind aber nicht zu unterschätzen. Man bedenke, dass tausende Reptilien, Amphibien, Insekten, Säugetiere etc. in eine geschlossene, schlecht durchlüftete Halle gestapelt werden und teils ohne Rücksicht verschiedene Tiere wie Bartagamen und Schildkröten in die Hände unerfahrener Personen oder Minderjährigen "gedrückt" werden, die sich nicht bewusst sind, dass fast alle Reptilien Bakterien, Parasiten, Viren, Pilzsporen etc. in sich tragen, welche für Kinder und auch für Erwachsene schwerwiegende Folgen haben können, vor allem wenn ein Kind durch eine Schildkröte an Salmonellen erkrankt ist dies nicht zu unterschätzen. Genau diese Personen, welche den ganzen Tag Tiere in die Hände nehmen und dann ohne die Hände zu waschen verschiedene Boxen anderer Aussteller anfassen, sind sich nicht bewusst, dass die Krankheitserreger so verschleppt werden und so auch gesunde Tiere angesteckt werden können (IBD, Salmonellen, Kryptosporidien, Cocczidien etc). Weitere Punkte sind, dass viele Aussteller, vor allem aus den Nachbarländern, gezielt zwei oder drei Tage vor einer Börse Tiere importieren und diese ohne Quarantäne oder guter Wasserversorgung an Börsen ausstellen, nur um noch günstiger zu sein als sein Nachbar. Dieses Jahr wurden von verschiedenen Leuten Aussteller beobachtet, welche an einem Samstag (teils schon am Freitag!!) an einer Börse in Deutschland ausgestellt haben und die gleichen Tiere in den gleichen Boxen am darauf folgenden Sonntag an einer weiteren Börse zum Verkauf anboten. Dass solche Tiere zum Tode verurteilt sind, versteht sich von selbst, vor allem wenn sie dann noch in unerfahrende Hände gelangen.
Viele Kunden gehen mit der Absicht an eine Börse, um ein Schnäppchen zu machen, doch den wenigsten ist bewusst, dass das Schnäppchen irgendwo einen Haken hat, sei es, weil das Tier nicht artgerecht gehalten wurde, um Kosten zu sparen oder weil es keine Quarantäne durchgemacht hat oder weil es zwischen den Börsen im gleichen kleinen Böxchen vor sich hin vegetieren musste oder weil es aus einem Massenimport von mehreren tausend Tieren stammt. Doch leider ist die Einstellung Heute so, dass ein Tier nicht mehr viel Kosten darf, viele Kunden wären sogar froh, wenn das Tier eine begrenzte Lebenserwartung von 3 Monaten hätte, weil nach dieser Zeit ist es vielen bereits verleidet und man möchte lieber wieder etwas neues, trendigeres oder farbigeres. Diese Erfahrung haben wir an den letzten Börsen schon öfters gemacht. Im Laden haben wir den Vorteil, dass hauptsächlich Kunden kommen, welche sich vorab gut informiert haben oder eben beraten lassen, an einer Börse geht dies in Folge der Hektik oftmals nicht.
Bedenkenswert ist auch, dass Heute immer mehr "Tierliebhaber" wegen einigen Franken Preisdifferenz lieber ins benachbarte Ausland an eine Börse oder zu einem Händler fahren und dort einen Grosshändler unterstützen, welcher Massenimporte von mehreren tausend Tieren machen kann, um günstigere Preise anbieten zu können. Schlussendlich machen Sie sich so aber der Tierquälerei mitschuldig da bei Massenimporten ca. 50% der Tiere sterben, bevor sie verkauft werden. Nach über 10 Jahren in diesem Business kennen wir die Preislisten aller Händler. Jede Tierart wird bei einer Abnahme ab 100 Tieren pro Art massiv (ca. 50 - 80%) günstiger, deshalb gibt es bei vielen Arten grosse Preisspannen. Wir waren stets verfechter von Massenimporten und mussten uns nun auch entscheiden, wie es weiter gehen soll. Da die Kosten dank den neuen Vorschriften aus der EU für Flüge, Papiere, Gesundheitszertifikate, Traces etc. ständig steigen, vorallem ab nächstem Jahr, hiess es für uns, entweder auch Massenimporte zu machen oder einen anderen Weg einzuschlagen. Wir haben uns für den anderen Weg entschieden und sind momentan daran, den Laden und das Sortiment umzustellen. Die ersten Schritte sind getan, in nächster Zeit wird sich noch einiges ändern. Unser neues Motto ist, WENIGER IST MEHR!
Als Kunde müssen Sie sich auch im Klaren sein, dass Sie mit dem Kauf von Tieren oder anderen Artikeln an einer Börse keine Arbeitsplätze schützen, sondern denen schaden. Der größte Teil der Aussteller beschäftigt keinen einzigen Arbeitnehmer und versteuert keinen einzigen Franken der Börseneinnahmen. Oder haben Sie sich mal gefragt, wieso Sie keinen Anspruch auf Garantie haben, wenn eine Lampe, ein Luftbefeuchter, eine Heizmatte etc. innerhalb der üblichen Garantiezeit aussteigt? Dies könnte daran liegen, dass Sie einerseits nicht mehr wissen, welcher der vielen Aussteller Ihnen dieses Produkt verkauft hat oder weil Sie keine Quittung dafür erhalten haben. Jeder Hersteller von Terraristikprodukten verweigert Garantieleistungen auf Produkte, welche ohne Quittung an einer der vielen Börsen gekauft wurde, was auch recht ist. Sie schaden also nicht nur den Geschäften, welche Arbeitsplätze schaffen, Sie schaden auch noch sich selbst und dem eigenen Land, da hunderttausende Franken unversteuert am Fiskus vorbei geschleust werden. Warum sonst kommen immer mehr ausländische Aussteller an Schweizer Börsen?
Wir hoffen, dass noch weitere Aussteller sich von Börsen distanzieren, so dass die Terraristik nicht noch mehr ins schlechte Licht gerückt wird und die Anzahl der Börsen massiv zurück geht. Viele Spontankäufe von Tieren enden nicht selten tödlich fürs Tier und haben der Szene leider mehr geschadet als genutzt. Nicht umsonst werden die Gesetze immer strenger.
Wir haben von unserer Seite aus gehandelt und uns zurückgezogen und werden auch den Behörden behilflich sein, Mißstände zu bekämpfen und hoffen, dass entweder sämtliche Börsen verboten bzw. so streng reguliert werden , dass nur noch Privatpersonen zugelassen werden, somit würde die Anzahl der Börsen innert kurzer Zeit auch massiv zurückgehen.
Fazit:
Mit dem Kauf eines Tieres/Produktes oder Besuch einer Börse
unterstützen Sie den Schmuggel von Tieren, Preisdumping von Tieren,
Tierquälerei, Steuerbetrug, Schwarzhandel, Arbeitsplatzvernichtung,
Verschärfung des Tierschutzgesetzes, unkontrollierten Handel mit Tieren
und vieles mehr.



