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Krankheiten

Krankheiten:

Aufgrund der Fülle der im Zoofachhandel angebotenen Reptilien- und Amphibienarten sowie der z. T. erheblichen morphologischen, anatomischen und physiologischen Unterschiede zwischen den Arten kann in diesem Kapitel nur ein Grundwissen vermittelt werden. Es soll dabei helfen, die Pflege der Tiere zu optimieren und damit Krankheiten vorzubeugen. Weitergehende Informationen finden sich in Fachzeitschriften und -büchern. Es sei hier aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Erstellung einer korrekten Diagnose und die Durchführung einer Therapie - auch in Hinsicht auf das Arzneimittelgesetz - nur von einem fachkundigen Tierarzt durchgeführt werden können und dürfen.


Krankheitsursachen und – anzeichen:

Die Haltung von Reptilien und Amphibien erfordert viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen. Es müssen nicht nur die „natürlichen“ Umweltbedingungen so exakt wie möglich nachempfunden werden, sondern auch die Tiere, ihr Verhalten und ihre Haltung müssen ständig (selbst)kritisch beobachtet und beurteilt werden.


Reptilien und Amphibien leiden still!

Reptilien und Amphibien sind häufig nicht in der Lage, durch ein entsprechendes und eindeutiges Verhalten auf Unwohlsein, Schmerzen oder Haltungsfehler aufmerksam zu machen und sterben oft sehr langsam. Zudem verlaufen viele Krankheiten oft lange Zeit ohne eindeutige äusserliche Symptome. Für eine erfolgreiche Haltung und eine qualifizierte Beratung von Kunden sind daher grundlegende Kenntnisse über die Ursachen und Auswirkungen von Krankheiten erforderlich.


Krankheitsursachen

Allgemein lassen sich Krankheiten nach ihren Ursachen in nichtinfektiöse und/oder haltungsbedingte Krankheiten sowie Infektionskrankheiten unterteilen.

Nichtinfektiöse Krankheiten werden vor allem durch falsche Haltung und Ernährung verursacht und sind leider (da unnötig) die häufigsten Ursachen für Erkrankungen von Amphibien und Reptilien. Durch das entsprechende Wissen und seine korrekte Umsetzung können sie vermieden werden.

Infektionskrankheiten werden durch Infektionserreger verursacht. Man unterscheidet nach den auslösenden Erregern Virosen (Virusinfektionen), bakterielle Infektionen, Mykosen (Pilzinfektion) und Parasitosen.

Als mögliche Ursachen für Erkrankungen kommen in Frage:

- Nicht artgerechte Haltung (u. a. Überbesatz, falsches Klima, mangelnde Belüftung, nicht geeignete Behälter, Vergesellschaftung verschiedener Arten)
- Mangelnde Hygiene
-
Stress
-
Falsche und / oder unausgewogene Ernährung
-
Äussere Faktoren (z. B. Verletzungen, Verbrennungen, Revierkämpfe)
-
Vergiftungen
-
Angeborene Schäden
-
Infektionserreger, z. B. Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten.

„Wildfänge“. Bei einigen der im Zoofachhandel angebotenen Arten bzw. Individuen handelt es sich um frischimportierte Wildtiere. Diese sind noch anfälliger gegen Erkrankungen, da sie durch Fang, Zwischenhalterung bei Exporteuren, Transporte und den „normalen“ Befall mit Parasiten bereits vorgeschädigt sind. (Quarantäne unbedingt erforderlich). Aus diesem Grund probiert die Firma Reptile Food soviele Nachzuchten wie möglich anzubieten und besucht regelmässig Farmen, um die Haltung der Tiere auf diesen zu optimieren.

Bei allen „ Terrarientieren“ handelt es sich um nicht domestizierte Tierarten, das heisst die Art und Ausstattung des Terrariums sowie die Klimafaktoren, z. B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht, müssen sich – auch bei Nachzuchten – eng an den natürlichen Voraussetzungen im Herkunftsgebiet orientieren. Wird dies nicht erreicht, sind Erkrankungen unvermeidlich.


Faktorenerkrankungen

Krankheiten bei Amphibien und Reptilien haben ihre Ursache häufig in einer unsachgemässen Haltung und Pflege. Überbesetzte Terrarien, mangelnde Hygiene, unkontrollierte Bestandsveränderungen sowie nicht artgerechte Ernährung und / oder falsche Umweltfaktoren (Temperatur, Feuchtigkeit etc.) schädigen die Tiere, schwächen das Immunsystem und begünstigen somit den Ausbruch von Krankheiten. Neben den nichtinfektiösen und infektiösen Krankheiten werden daher auch sogenannte Faktorenerkrankungen beschrieben. Dabei handelt es sich zwar um infektiöse Krankheiten, die jedoch besonders häufig dann auftreten, wenn die Haltungsbedingungen die Entstehung von Krankheiten fördern oder deren Verlauf verschlimmern. Faktorenerkrankungen werden häufig durch überall vorkommende und an sich wenig krankheitserregende Keime ausgelöst. Typischerweise treten diese Erkrankungen sehr häufig im Zoofachhandel und / oder kurz nach dem Kauf auf, da die Tiere durch die neue Umgebung zunächst unter erheblichem Stress leiden.


Krankheitsanzeichen

Reptilien und Amphibien zeigen oft keine oder nur geringe Symptome, daher werden Krankheiten häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Um erste Anzeichen einer Krankheit erkennen zu können, müssen die Tiere regelmässig (täglich) und aufmerksam beobachtet werden.

Auf den ersten Blick sind Störungen des Allgemeinbefindens oft nicht zu erkennen, da sich die Tiere verstecken, keine Schmerzen zeigen und ein Gewichtsverlust nicht sofort erkennbar ist.

Annzeichen von Erkrankungen können sein:

Verhaltensänderungen, z. B. Unruhe oder Teilnahmslosigkeit, Futterverweigerung (auch saisonbedingt möglich), hohes Trinkbedürfnis, ständiger Aufenthalt im Wasserbecken, Störungen des Bewegungsablaufes (u. a. Lahmen, Taumeln, untypische Bewegungen, schiefes schwimmen bei Wasser- und Sumpfschildkröten), Zittern, Krämpfe, Orientierungsstörungen.

Veränderung der Haut, z. B. Häutungsreste, Abstumpfen der Farben, Verfärbungen, Flecken, faltige oder rissige Haut, pergamentartige Haut bei Schlangen, Geschwüre, Krusten, Blasen, Verletzungen.

Veränderungen des Panzers bei Schildkröten, z. B. Rotfärbung des Bauchpanzers oder gelbliche Verfärbung, Deformationen, Höckerbildung, weicher Panzer.

Veränderungen des Körpers, z. B. Schwellungen, Umfangsvermehrung, Verlust von Körpergewicht (u. a. Hervorstehen der Beckenknochen, schwinden der Muskulatur an Schwanz und Extremitäten), Eintrocken u. / o. Absterben der Zehen bzw. Schwanzspitzen, Erweichung des Skelettes oder Panzers.

Veränderungen der Augen, z. B. eingefallene Augen, Trübungen, Schwellungen und Rötungen der Augen, vermehrter Tränenfluss, länger anhaltendes Schliessen eines oder beider Augen.

Störungen beim Atmen, z. B. hörbare Atemgeräusche, verstärkte Atembewegungen, Blasen vor dem Maul oder der Nase, Nasenausfluss, verkrustete Nasenlöcher (nicht verwechseln mit Salzausscheidungen bei z. B. Dornschwanzagamen)), Atmen mit geöffnetem Maul.

Störungen des Magen-Darmapparates, z. B. Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Veränderung des Kotes (Geruch, Konsistenz, Farbe), zu lange Hornscheiden bei Schildkröten, Beläge im Maul, unphysiologische Körperhaltung (Schlangen liegen ausgestreckt), verschmutzte oder verklebte Kloake.

Störungen des Harntraktes, z. B. kein Harnabsatz, veränderter Urin oder Harnstein (Geruch, Konsistenz, Farbe), eingefallene Augen, vermehrtes Trinken.

Verletzungen oder Organvorfälle, z. B. Blutungen, offene Wunden, Brüche des Schwanzes oder der Extremitäten, Austritt von Gewebe aus der Kloake.

Aufgrund der Vielfalt der Symptome ist eine sichere Diagnose nur einem fachkundigen Tierarzt möglich. Ohne gesicherte Diagnose ist keine optimale Behandlung möglich.    


Haltungsfehler

Auch wenn bei der Haltung im Zoofachhandel kurzfristig kleinere Terrarienmasse bzw. eine höhere Besatzdichte als bei der dauerhaften Haltung toleriert werden können, müssen die klimatischen Bedingungen wie beispielsweise Luftfeuchtigkeit oder Temperatur eingehalten werden. Dabei gibt es generell keine allgemeingültigen Standardbedingungen, sondern die artspezifischen Anforderungen der jeweiligen Art müssen berücksichtigt werden. Ist dies nicht möglich, muss auf die Haltung und den Verkauf der Tiere verzichtet werden. Falsche klimatische Bedingungen und/oder unsachgemäss eingerichtete Terrarien führen unweigerlich zu Gesundheitsschäden. Deutlich wird dies insbesondere bei dem Faktor Temperatur. Als wechselwarme Tiere sind Amphibien und Reptilien von der Umgebungstemperatur abhängig. Nur in einem bestimmten, artspezifischen Temperaturbereich können die Stoffwechselvorgänge optimal ablaufen, während zu hohe oder tiefe Temperaturen die Tiere schädigen. Dabei führen zu hohe Temperaturen i.d.R. relativ schnell zum Tode, wohingegen niedere Temperaturen für eine beschränkte Zeit – oft ohne äusserlich erkennbare Symptome – „überlebt“ werden können. Allerdings führen sie zu Störungen des Stoffwechsels, der Verdauung und zu einer Schwächung des Immunsystems, was die Tiere sehr anfällig gegenüber Infektionen macht. Dasselbe gilt auch für eine falsche Luft- und Substratfeuchtigkeit, ungeeignete Terrarien, mangelnde Hygiene oder eine unzureichende Ernährung. Temperaturen, die deutlich unterhalb der Aktivitätstemperatur (z. B. Transport) liegen, führen i.d.R sehr schnell zu schwerwiegenden Schäden oder sogar zum Tod der Tiere.


Nichtinfektiöse Krankheiten

Leider kommt es – im Zoofachhandel und bei der Privathaltung – überaus häufig zu Erkrankungen, die direkt oder indirekt durch Fehler in der Haltung bzw. Ernährung verursacht werden. Durch entsprechende Kenntnisse (Fachliteratur, Fortbildungskurse, Gespräche mit Züchtern u. a.) über die gehaltenen Arten können Sie vermieden und dadurch den Tieren unnötiges Leiden erspart werden.


Erkrankungen durch Fehl- und Mangelernährung

Über das natürliche Nahrungsspektrum von Reptilien und Amphibien gibt es bisher nur wenige ausführliche Untersuchungen. Es dürfte jedoch als erwiesen gelten, dass das natürliche Nahrungsspektrum der Tiere sehr gross ist. So konnte beispielsweise bei Freilanduntersuchungen nachgewiesen werden, dass sich das Nahrungsspektrum des insektivoren Stachelleguans (Sceleporus g. graciosus) aus 51% Ameisen, Wespen und Bienen, 22% Käfern, 9% Laubheuschrecken, 6% Motten und Schmetterlingen, 5% Fliegen, 3% Grashüpfern und 1% Spinnen sowie 3% weiteren diversen Wirbellosen zusammensetzte.

Diese natürliche Vielfalt fehlt unseren Terrarientieren , die meist – und dies gilt insbesondere für die carni- und insektivoren Arten – lebenslang mit nur einer oder sehr wenigen Futtersorten (-tieren) in Berührung kommen. Dieser Mangel wird noch dadurch verstärkt, dass die Futtertiere ihrerseits oft nur sehr einseitig ernährt werden. Unser Lieferant und auch wir bieten deshalb unseren Futterinsekten nur qualitativ hochwertiges Futter an. 

Als Folge einer einseitigen oder falschen Fütterung kann es, insbesondere im Zusammenspiel mit generellen Haltungsfehlern, zu einer Reihe ernährungsbedingter Krankheiten kommen. Übergewicht, Mineral- oder Vitaminmangel sind nur einige Beispiele hierfür.


Verfettung

Übergewicht oder Verfettung ist zwar keine Krankheit im üblichen Sinne, stellt aber dennoch ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Häufig bildet sich eine ausgeprägte Fettleber aus, die ihre Aufgabe im Stoffwechsel nicht mehr erfüllen kann. Leberversagen ist eine der häufigsten Todesursachen, vor allem bei insektenfressenden Echsen. Ausserdem kann es durch massiv ausgebildete Fettkörper zur Beeinträchtigung der Atmung, des Kreislaufes und auch der Gelenke kommen. Ursachen für eine Verfettung sind zu viel und zu kalorienreiches Futter bei gleichzeitigem Bewegungsmangel und/oder falschen Temperaturen.

In der Natur müssen sich die Tiere ihre Nahrung „erlaufen“. Dies ist in dem eng bemessenen Lebensraum Terrarium nicht möglich. Zudem wird häufig zu oft und regelmässig gefüttert. Gerade bei Insekten- und Wirbeltierfressern (ausgewachsene Tiere) sollte daher ein Fastentag eingelegt werden, wogegen Pflanzenfressern ständig Nahrung zur Verfügung stehen muss, um den Darmtrakt in „Bewegung“ zu halten. Durch entsprechend grosse und gut strukturierte Terrarien bei bewegungsfreudigen Arten und einer angepassten (sparsamen) Fütterung kann einer Verfettung effektiv vorgebeugt werden.


Übergewicht und Rau- bzw. Rohfasermangel – ernährungsbedingte Krankheiten bei herbivoren Arten

Herbivore Reptilien, insbesondere Europäische Landschildkröten, Leguane und Agamen, leiden häufig an durch zu kalorien-  eiweissreiche (s. Gicht) Ernährung sowie auch Rau- bzw. Rohfasermangel verursachten Krankheiten.

In der Natur fressen herbivore Reptilien eine breite Palette von Pflanzen. Ein wichtiger Inhaltstoff  aller Pflanzen ist die sogenannte Rau- oder Rohfaser. Dabei handelt es sich um lange und schwer verdauliche Kohlenhydratketten. Die Inhaltstoffe von Pflanzen (Rohfaser, Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse) variiren jedoch erheblich in Abhängigkeit von der Pflanzenart, dem Pflanzenteil, der Jahreszeit und dem Standort. So nimmt beispielsweise der Rohfaseranteil mit zunehmendem Alter der Pflanze zu. Dagegen enthalten keimende Samen und Obst sehr viele leichtverdauliche Kohlenhydrate und Proteine, dafür aber kaum Rohfaser. Bei der artgerechten  Ernährung von Pflanzenfressern ist daher nicht nur die („grobe“) Richtung „pflanzliche Nahrung“, sondern auch das Spektrum und der Zustand der natürlichen Vegetation im Ursprungsland zu beachten. Während beispielsweise Grünen Leguanen ganzjährig frische und nährstoffreiche Pflanzen zu Verfügung stehen, müssen Dornschwanzagamen und Europäische Landschildkröten den grössten Teil des Jahres mit sehr trockener, nährstoffarmer und rohfaserreicher Nahrung vorlieb nehmen.

Im Laufe ihrer Entwicklung haben sich diese Tiere jedoch perfekt an ihre Nahrung angepasst und sind – ähnlich wie Kaninchen und Kühe – in der Lage, diese, auch mit Hilfe von Gärkammern im Darm und symbiotischen Einzellern, perfekt zu verwerten. Fehlt die Rohfaser oder ist der Anteil von leichtverdaulichen Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten zu hoch, führt dies u. a. zu Verdauungsstörungen, Verstopfung, Fehlgärungen, Durchfall, verstärktem Befall mit Parasiten und chronischen Entzündungen. Zudem nutzt sich bei Landschildkröten der ständig nachwachsende Hornschnabel nicht genügend ab, was zu einer übermässigen Schnabelbildung führt.


Mangelerscheinungen

Mangelerscheinungen treten auf, wenn bestimmte Stoffe (Vitamine, Mineralien, Eiweisse) in der Nahrung fehlen. Dabei müssen auch Lebensphasen mit einem erhöhten Bedarf an essentiellen Nähr- und Wirkstoffen, wie die Trächtigkeit, Krankheiten oder das verstärkte Wachstum von Jungtieren, berücksichtigt werden. Typische Mangelerscheinungen sind beispielsweise:

- Knochenerweichung und Rachitis bei einem Mangel an Vitamin D3 und Kalzium.

- Trübung und Schwellung der Augen sowie Hautentzündungen bei Vitamin A-Mangel. Tritt in der Regel nicht bei Pflanzenfressern auf, da diese über das Futter genug Vitaminvorstufen erhalten, dafür jedoch häufiger bei Wasserschildkröten und karni- oder insektivoren Echsen.

- Lähmungserscheinungen und Störungen des zentralen Nervensystems (Kopfverdrehen). Tritt häufig bei fischfressenden Reptilien auf, da im Fleisch einiger Fischarten das Enzym Thiaminase enthalten ist, das Vitamin B abbaut.

Durch eine regelmässige Gabe von Vitaminkomplexen und Mineralien mit dem Futter oder über das Trinkwasser sowie eine ausreichende Versorgung der Tiere mit UV-Licht kann Mangelerscheinungen vorgebeugt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass ein Überschuss an Vitaminen ebenfalls schwere Schädigungen des Organismus (Hypervitaminosen) hervorrufen kann. So kann beispielsweise eine Überdosierung von Vitamin A zu grossflächigen Hauptablösungen führen.


Gicht

Eine zu proteinreiche Ernährung bei herbivoren Reptilien und/oder eine Störung der Nierenfunktion führen letztendlich zu Gicht. Das Endprodukt des Proteinstoffwechsels bei Reptilien ist die schwerlösliche Harnsäure, die mit Hilfe der Nieren ausgeschieden wird. Wird die Ausscheidungskapazität der Niere – z. B. durch eine Infektion, durch Wassermangel oder durch zu proteinhaltige Nahrung – überschritten, führt dies zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Nieren (Nierengicht) oder den Gelenken (Gelenkgicht). Als Folge leiden die Tiere unter beträchtlichen Schmerzen und zunehmenden Funktionsstörungen der Organe. Gicht ist nur im Frühstadium heilbar. Eine Störung der Nierenfunktion, die bei insektenfressenden Echsen häufig zu Gicht führt, wird durch phosphatreiche und kalziumarme Ernährung hervorgerufen. Insekten enthalten grundsätzlich einen Phosphatüberschuss und wenig Kalzium. Wird dieser Mangel nicht ausgeglichen, wird die Niere auf Dauer mit der Phosphatausscheidung überlastet. Als Folge davon kann sich eine Gicht entwickeln. Häufig liegt gleichzeitig eine Knochenerweichung vor.


Stoffwechselerkrankungen des Skelettsystems

Stoffwechselerkrankungen des Skelettsystems zeigen häufig die gleichen oder sehr ähnliche Symptome, stellen jedoch in Abhängigkeit von dem Alter des betroffenen Tieres sowie von den Ursachen das Ergebnis unterschiedlicher Krankheitsprozesse dar. Betroffen sind von diesen Erkrankungen vor allem Echsen, aber auch Schildkröten, selten Schlangen. Bei Schlangen sind nur Arten anfällig, die sich nicht von ganzen Säugetieren ernähren, also Nahrungsspezialisten wie Eierfresser oder Insektenfresser.

Symptome: Man unterscheidet die Krankheiten des wachsenden Knochens, also des jungen Tieres (Rachitis), und Veränderungen, die sich beim erwachsenen Tieren erst später an einem anfänglich normal ausgebildeten Knochen entwickeln können (Osteomalazie). Unabhängig vom Alter kann eine Osteodystrophia fibrosa entstehen, die in der Regel durch ein Ungleichgewicht der Mineralien im Futter ausgelöst wird. Die Symptome sind bei dieser Erkrankung ähnlich:

- Echsen zeigen allgemeine Schwäche und bewegen sich nur wenig und langsam. Lahmheiten und unnatürliche Haltung von Gliedmassen sind Hinweise für Frakturen (nicht selten mehrere Gliedmassen betroffen). Die Unterkieferäste sind weich und geben bei vorsichtigem Druck leicht nach.

- Auch scheinbar pralle, gut genährte Gliedmassen können einen Hinweis auf eine Knochenstoffwechselstörung sein. Normalerweise lässt sich der Knochen in einer Gliedmasse deutlich ertasten, bei diesen wie „aufgeblähten“ Beinen jedoch nicht. Hier täuscht eine ausgeprägte bindegewebige Zubildung  um den schwachen Knochen Stabilität vor. Bei Grünen Leguanen ist eine beidseitige symmetrische Verdickung der Unterkieferknochen ein sehr deutliches Zeichen für eine ausgeprägte Knochenstoffwechselstörung.

- Der Schildkrötenpanzer ist weich und zeigt deutliche Höckerbildung. Jungtiere sind gleichzeitig häufig zu gross für ihr Alter, da sie durch eine zu eiweiss- und energiereiche Fütterung zu schnell gewachsen sind. Der Panzer wird beim Laufen abgesenkt oder hinterhergeschleppt und kann nicht mehr vom Boden abgestemmt werden.

Ursache ist vor allem beim jungen wachsenden Reptil ein Kalziummangel, meist verbunden mit einem Mangel an Vitamin D3. Es entsteht eine Rachitis. Hier werden in den ausbildenden Knochen nicht genug Mineralien eingelagert, er bleibt weich und biegsam. Oft sind bei einem Kalziummangel gleichzeitig mit Knochenveränderungen auch Muskelfunktionen betroffen, da dieses Mineral auch hier eine wichtige Rolle spielt. Junge Reptilien mit Kalziummangel zeigen deshalb auch Muskelzittern und Krämpfe.

Auch bei einem erwachsenem Tier kann ein Kalziummangel einen bereits gut ausgebildeten Knochen wieder schwächen. Wenn nicht genug Kalzium mit dem Futter gegeben wird, wird durch eine hormonelle Gegenregulation das Kalzium aus dem Knochen freigesetzt. Es entsteht eine Osteomalazie. Vor allem tragende Weibchen mit zahlreichen Eiern sind betroffen. Hier wird zur Eischalenentwicklung viel Kalzium benötigt. Wird das nicht durch eine entsprechend höhere Zufuhr in der Ernährung ausgeglichen, wird Knochengewebe abgebaut. Die sich bildenden Eischalen bleiben dünn und brüchig. Betroffene Weibchen entwickeln auch oft eine Legenot, da die Muskelkontraktionen des Eileiters nicht mehr stark genug sind.

Des Weiteren kann beim jungen oder erwachsenen Reptil als Folge von Fütterungsfehlern eine Osteodystrophia fibrosa entstehen, die in der Regel durch ein mineralisches Ungleichgewicht (Imbalanzen) im Futter ausgelöst wird. Ursache ist meist eine Fehlernährung mit Kalziummangel und Phosphorüberschuss. So liegt z. B. in Insekten von Natur aus ein Kalzium-Phosphor-Ungleichgewicht vor. Sie enthalten wesentlich mehr Phosphor als Kalzium. Weitere Phosphorlieferanten sind eiweissreiche Nahrungsbestandteile, die vor allem von Pflanzenfressern, deren Stoffwechsel auf diese Nahrung nicht eingestellt ist, nur schlecht abgebaut und ausgeschieden werden können. Diese beiden Mineralien – Kalzium – und Phosphor – sind aber im Körper Gegenspieler, deren Konzentration über ein kompliziertes hormonelles Regelwerk ausgeglichen wird.

Die Einlagerung von Kalzium in den Knochen sorgt für Stabilität. Findet sie nicht statt oder  wird das Kalzium wieder aus dem Knochen freigesetzt, wird der Knochen weich und biegsam.Vitamin D3 reguliert im Zusammenspiel mit den körpereigenen Hormonen Calcitonin und Parathyrin die Einlagerung von Kalzium in den Knochen. Calcitonin senkt den Kalziumgehalt des Blutes, indem es den Einbau von Kalzium in den Knochen und die Ausscheidung über die Niere fördert, wogegen der Gegenspieler Parathyrin den Kalziumgehalt im Blut erhöht, indem es den Abbau von Knochengewebe verstärkt. Gleichzeitig reguliert Parathyrin auch die Ausscheidung von phosphorhaltigen Abbauprodukten über die Niere. Es wird bei einem hohen Anfall von Phosphaten deshalb auch vermehrt ausgeschüttet. Die Vorstufe von Vitamin D wird unter der Einwirkung von UV-Licht einer bestimmten Wellenlänge (UV-B-Strahlung, 280-315nm) in der Haut gebildet. Deshalb ist die Einwirkung von UV-Licht auch wichtig, um den Kalziumhaushalt zu stabilisieren. Die aktive Form des Vitamin D3, das 1,25-Dihydroxycholecalciferol, wird in der Niere gebildet und fördert die Kalziumresorption aus dem Darm in das Blut.

Wird jetzt ständig zu viel Phosphor zugeführt, ohne dass über das Futter auch entsprechend der Kalziumgehalt ausgeglichen wird, wird dieses Regelwerk überfordert, die Ausscheidung über die Niere kommt nicht nach. Der hohe Phosphorspiegel im Blut ruft eine vermehrte Ausschüttung (Sekretion) des Hormons Parathyrin hervor. Gleichzeitig wird, wie oben beschrieben, durch die Parathyrinwirkung nicht nur die Phosphorausscheidung, sondern auch die Freisetzung von Kalzium aus den Knochen gefördert. Die Synthese des Aktiven Vitamin D3 wird bei Nierenschäden aufgrund des hohen Phosphoranfalls ebenfalls gestört, damit liegt eine verminderte Kalziumresorption aus dem Darm vor. Durch die Beeinträchtigung der Nierenfunktion treten noch weitere Störungen auf, so kommt es zu Harnsäureablagerungen in der Niere selbst und in weiteren Organen.

Kalzium wird also aus dem Knochen freigesetzt und gleichzeitig nur wenig aus dem Darm aufgenommen, die Knochen werden weich. Der Körper versucht nun, durch Zubildung von faserigem Bindegewebe und den weichen Knochen herum trotzdem eine gewisse Stabilität  zu erlangen, dadurch entstehen die oben beschriebenen „aufgeblähten“ Gliedmassen.

Um die beschriebenen Stoffwechselerkrankungen zu verhindern, muss von Anfang an für ein ausgeglichenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis in der Nahrung gesorgt werden (ca. 2:1), wobei zu beachten ist, dass trächtige Reptilien unter Umständen noch mehr Kalzium benötigen. Bei wirbeltierfressenden Reptilien, die auch ganze Mäuse und Ratten annehmen, besteht da kein Problem, aber bei Pflanzen- und Insektenfressern muss ein Kalziumdefizit ausgeglichen  werden. Das kann durch Zufütterung von Sepiaschale, auch gerieben, Schale von hartgekochten Eiern, Vogelpicksteinen (evtl. Protein/Salzgehalt beachten) oder verschiedenen im Zoofachhandel angebotenen Kalziumpräparaten geschehen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass diese Präparate nicht noch zusätzlich Vitamin D3 enthalten. Insekten sollten vor der Verfütterung mit Kalziumpräparaten eingepudert werden. Ebenso ist eine hauptsächliche Fütterung mit Eisbergsalat für Pflanzenfresser nicht ausreichend, da dieser kaum Kalzium enthält. Pflanzenfresser sollten so abwechslungsreich wie möglich gefüttert und unterstützend mit  Kalzium versorgt werden.

Die Einwirkung von UV-B-Licht ist ebenfalls wichtig. Die handelsüblichen Reptilienröhren  mit 5% UV-B-Anteil sind als Dauerbeleuchtung gut geeignet. Allerdings lässt die UV-Strahlung bei gleichbleibender Helligkeit bereits nach kurzer Zeit deutlich nach, die Röhren müssen also sehr häufig gewechselt werden. Die starke Osram-Ultravitalux® kann ebenfalls gut eingesetzt werden, sollte aber aufgrund ihrer Stärke nicht als Dauerbeleuchtung zum Einsatz kommen. Dabei müssen die Tiere langsam daran gewöhnt werden. Am Besten eignet sich die Bright Sun als Dauerbeleuchtung, da die UV Werte nicht zu hoch sind und der Sonne am nächsten kommt. Zusätzliche Vitamin D3-Gaben sollten bei Pflanzenfressern gar nicht und bei Insektenfressern nur in geringer Dosierung (ca. 100 I.E./kg/Woche) erfolgen, da es hier zu Überdosierungen kommen kann.


Nahrungsverweigerung, Verstopfung und Auswürgen

Nahrungsverweigerung, Verstopfung und Auswürgen stellen Störungen der normalen Funktion des Magen-Darmapparates dar. Neben Fehlern bei der Fütterung hängen sie oft mit unzureichenden Haltungsbedingungen oder einem schlechten Allgemeinzustand zusammen. Als mögliche Gründe kommen in Frage:

- zu grosse Futtertiere und/oder zu häufige Fütterung,

- falsches Futterangebot,

- Rohfasermangel bei herbivoren Arten,

- falsche - zu niedrige und zu hohe - Temperaturen und/oder Luftfeuchtigkeit im Terrarium,

- Stress wegen Handhabung oder Vergesellschaftung,

- Austrocknung (Exsikkose, Dehydration) insbesondere bei frisch importierten Wildfängen,

- Parasitenbefall und Infektionen

- Darmverschluss (z. B. durch Aufnahme von Fremdkörpern, Bodengrund)

Einige Arten verweigern natürlicherweise in bestimmten Phasen (Winter- oder Sommerruhe) oder während der Trächtigkeit die Nahrung.


Legenot

Legenot kann bei Reptilien und Amphibien verschiedenste Ursachen haben u.a. :

- Fehlende oder ungeeignete Eiablageplätze (psychogene Legenot);

- Falsche klimatische Faktoren;

- Defizite in der Nährstoff-, Mineral- (Kalzium) und Vitaminversorgung;

- Zu grosse Gelege und/oder zu häufige Eiablagen, evtl. aufgrund zu reichlicher Fütterung;

- Stoffwechselstörungen;

- Hormonelle Störungen;

- Stress durch das Männchen oder Transporte;

- Anomalien der Eier (Übergrössen, Missbildungen);

- Zu junges oder zu altes Weibchen;

- Eileitererkrankungen (z. B. Infektionen).

Gewöhnlich nimmt der Umfang der Weibchen im Verlaufe der Trächtigkeit deutlich zu. Ab einem bestimmten Stadium können die Eier bei Schlangen und Echsen (Abhängig von der Art) mit blossem Auge wahrgenommen werden oder sind eventuell tastbar. Im Endstadium der Trächtigkeit stellen die Tiere i.d.R. die Futteraufnahme ein und werden häufig zunehmend unruhig. Das Terrarium wird dabei intensiv auf geeignete Eiablageplätze untersucht und zahlreiche Grabversuche unternommen. Eine Legenot äussert sich oft darin, dass das Weibchen, ohne die Eier abgelegt zu haben (Umfang), ruhiger wird, sich scheinbar wieder normal verhält und sogar zu fressen beginnt. Im günstigsten Fall wird es die Eier nach dem Überschreiten des physiologischen Eiablagetermins wahllos im Terrarium ablegen. Geschieht dies nicht, verkäsen die Eier und verkleben mit dem Eileiter. Als Folge kommt es zu einer Eileiterentzündung, eventuell auch zu einer Entzündung des Bauchraumes. Die Eier können jedoch - insbesondere bei Schildkröten - auch verkalken oder in die Blase gelangen.

Eine Legenot ist immer ein Notfall, der schnellstmöglich vom Tierarzt behandelt werden muss. Trächtige Weibchen müssen daher genau beobachtet werden.


Verletzungen

Durch falsche Handhabung, unsachgemässe Haltung bzw. Einrichtung können sich im Terrarium Unfälle mit zum Teil schweren Verletzungen (Traumata) ereignen. Hierzu zählen:

- Bissverletzungen durch andere Terrarienbewohner

- Verletzungen durch andere Haustiere (Hunde, Katzen) oder wildlebende Tiere (Vögel, Marder, Ratten) bei Freilandhaltung.

- Quetschungen, Knochenbrüche, Verletzungen der Haut oder Abwurf des Schwanzes beim Umgang mit den Tieren.

- Verletzungen durch Futtertiere.

- Verletzungen durch unsachgemässige Verwendung von Klebeband.

- Verletzungen durch nicht standsichere Dekoration (grabende Arten).

- Verletzungen der Schnauze durch Anstossen an Terrarienwänden bzw. Glasscheiben.

- Verletzungen der Krallen und der Schnauze durch Maschendraht oder Lochbleche.

- Verletzungen durch scharfe Kanten (z.B. Glasscheiben).

- Verbrennungen.

Verletzte Tiere sind aus der Gruppe zu entfernen und schnellstmöglich zu behandeln. Hierzu zählt eine Säuberung der Wunde mit Wasser. Kleinere Verletzungen können mit entsprechenden medizinischen Präparaten zur Wunddesinfektion (mit Tierarzt absprechen) behandelt werden. Bei grösseren oder tiefgehenden bzw. stark blutenden Verletzungen sind die Tiere unverzüglich einem Tierarzt vorzustellen.


Verbrennungen

Als wechselwarme Tiere sind Amphibien und Reptilien auf externe Wärmequellen angewiesen. Nicht gesicherte Wärmequellen bergen jedoch ein erhebliches Verletzungsrisiko. Da Reptilien eine andere Wärme- und Schmerzwahrnehmung haben als wir, können sie übermässige lokale Wärmeeinwirkung nicht wahrnehmen. Bei einem direkten Kontakt sind Verbrennungen daher vorprogrammiert.

Um Gefahren durch künstliche Wärmequellen auszuschliessen, sollten daher folgende Vorsichtmassnahmen getroffen werden:

- Ausreichender Abstand zu Heiz-, Spot-, und UV-Strahlern bzw. Abgitterung. Die Strahler dürfen für die Tiere nicht direkt erreichbar sein.

- Eine der Tierart und dem Terrarium angemessene Wärmequelle und Wärmeleistung.

- Bei der Verwendung von Heizmatten im Terrarium dürfen die Tiere nie unter die Heizmatte gelangen können. Heizmatten und -kabel dürfen nur mit Thermostat betrieben werden.

- Heizstäbe für Aquarien müssen mit einem PVC-Rohr o.ä. geschützt oder in der Filteranlage untergebracht werden. 


Vergiftungen

Giftstoffe können über die Haut (Amphibien), die Atemluft oder die Nahrung in den Organismus gelangen. Die Symptome können – je nach auslösendem Gift – sehr unterschiedlich sein und von Krämpfen und Zittern über Durchfälle und Erbrechen bis hin zu Lähmungserscheinungen reichen. Auch plötzliche Todesfälle sind möglich.

Um Vergiftungen zu vermeiden, sollte nur einwandfreies Futter verwendet, keine unbekannten Pflanzen verfüttert und auf die Anwendung von Schadstoffen, unbekannten Chemikalien und/oder Giftpflanzen in der Nähe von Terrarien verzichtet werden.

Giftige Substanzen sind u. a.:

- Nikotin (Einatmen von Rauch)

Insektizide und Schädlingsbekämpfungsmittel: Präparate gegen Milben oder Zecken. Fressköder für Ratten und Mäuse. Mottenkugeln, Schneckenkorn, Insektensprays etc. können schwerwiegende Vergiftungen auslösen.

Medikamente: Abgelaufene oder falsch dosierte Medikamente können zu Vergiftungen führen. Auch sind art- bzw. gruppenspezifische Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Wirkstoffen bekannt. So vertragen beispielsweise Schildkröten kein Ivermectin, ein Wirkstoff, der in verschiedenen antiparasitisch wirkenden Medikamenten enthalten ist. Es sollten daher nie Medikamente ohne vorherige Absprache mit einem Tierarzt verabreicht werden.

- Lösungsmittel und Farben: In einem Raum mit Terrarien oder im Terrarium selbst sollten nur Lösungsmittel und Farben angewendet werden, die gesundheitlich unbedenklich sind. Aber auch dann sollten die Mittel nie in Gegenwart der Tiere eingesetzt werden. Die Tiere dürfen erst nach tagelangem gründlichen Lüften wieder ins Terrarium oder in den Terrarienraum verbracht werden.

- Reinigungs- und Desinfektionsmittel: Nach der Anwendung muss gründlich gelüftet und mehrfach gründlich mit klarem Wasser nachgespült werden.

Baumaterialien: Industrielle Silikonkleber enthalten oftmals Bestandteile zur Verhütung von Schimmelbildung, die für Amphibien und Reptilien gefährlich sein können. Es sollten daher nur Silikone auf Essigbasis verwendet werden. Nach der Anwendung muss gründlich gelüftet werden.

- Pflanzen: Leider gibt es nur wenige Erkenntnisse darüber, welche Pflanzen für Reptilien giftig sind. Zudem verfügen herbivore Reptilien anscheinend auch über eine gewisse Toleranz gegenüber giftigen Pflanzen. Bekannt sind bisher Vergiftungen durch Eiben, Azaleen und Sumpfdotterblumen sowie durch stark oxalsäurehaltige Pflanzen, wie Rhabarber oder Spinat. Generell sollten jedoch bekannte Giftpflanzen (z. B. Wolfsmilchgewächse und Maiglöckchen) nicht an herbivore Reptilien verfüttert werden oder im Terrarium als Dekoration Verwendung finden. Im Freigehege im Garten sollten auch weder Oleander noch Goldregen angepflanzt werden.


Tumore

Tumorerkrankungen können auch bei Reptilien und Amphibien beobachtet werden, wenngleich längst nicht so häufig wie bei Säugetieren. Während die meisten Tumorarten auch bei Säugetieren bekannt sind, kommen einige – aufgrund andersartiger Zelltypen – nur bei Reptilien und Amphibien vor. Hierzu zählen bestimmte Pigment- oder Blutzellen.


Anomalien

Anomalien oder Missbildungen kommen sowohl bei Nachzuchten als auch bei freilebenden Amphibien und Reptilien vor. Neben eher als Schönheitsfehler zu bewertende und oft unauffällige Beschuppungsanomalien bei Reptilien sind auch hochgradige Missbildungen bekannt. Hierbei handelt es sich beispielsweise um:

- Fehlstellungen oder das Fehlen von Gliedmassen bzw. Gliedmassenteilen,

- Doppel- oder Mehrfachbildung sowie

- Missbildungen im Bereich der Wirblsäule.

Jungtiere mit schwerwiegenden Missbildungen sind i.d.R. nicht überlebensfähig. Vielfach verenden sie noch im Ei oder kurz nach dem Schlupf. In Einzelfällen ist auch eine Euthanasie zu empfehlen. Die Ursachen für die Entstehung solcher Missbildungen sind vielfältig und können oftmals nicht endgültig geklärt werden. Generell werden endogene und exogene Effekte unterschieden. Zu den erstgenannten zählen Schädigungen des Erbgutes, während Umwelteinflüsse (z. B. falsche Zeitigungstemperaturen), Giftstoffe oder Krankheitserreger zu den exogenen Faktoren gerechnet werden.

Eine Anomalie, die gehäuft bei Tieren in menschlicher Obhut auftritt, sind die sogenannten „Streichholzbeinchen“ bei Amphibien. Hierbei handelt es sich um Missbildungen der Vorderextremitäten, insbesondere bei Pfeilgiftfröschen. Die betroffenen Tiere leiden an einer Skelett- und Muskelunterentwicklung, die sich in extrem dünnen und unterentwickelten Beinen zeigt. Meistens können die Jungfrösche nach der Metamorphose das Landteil nicht selbstständig erreichen. Auch in diesem Fall lassen sich die Ursachen nicht genau feststellen. Prophylaktisch sollten nur Tiere mit guter Zuchtkondition eingesetzt und die Larven vollwertig und abwechslungsreich unter Zugabe von Vitaminen, Aminosäuren und Mineral- sowie Spurenelementen ernährt werden.

Generell sollte mit Tieren, die Anomalien aufweisen, nicht gezüchtet werden.


Prolaps

Als Prolaps wird der Vorfall (Austreten) von Gewebe aus der Kloake bezeichnet. Da in die Kloake der Darm, die Eileiter und abhängig von der Art auch die Harnblase münden, kann neben der Kloakenschleimhaut jedes dieser Organe von einem Vorfall betroffen sein. Bei männlichen Tieren kann es zudem zu einem Vorfall des Hemipenis bzw. der Hemipenes kommen. Die tierärztliche Behandlung eines Prolaps muss so schnell wie möglich erfolgen, um ein Eintrocknen und Absterben des Gewebes zu vermeiden. Beim Transport sollte das vorgefallene Gewebe – falls möglich – feucht und steril gehalten werden. Als Ursache dieses bei Amphibien und Reptilien relativ häufigen Krankheitsbildes können Verstopfungen, Legenot, Blasensteine, Verletzungen, Fremdkörper, sexuelle Hyperaktivität, zu niedrige Luftfeuchtigkeit (Schlangen und Leguane), starker Parasitenbefall oder bakterielle Infektionen in Frage kommen.


Häutungsschwierigkeiten

Häutungsschwierigkeiten sind bei Schlangen und Echsen keine Seltenheit. Die Ursachen können Haltungsmängel (zu trockene Haltung, zu niedrige Temperaturen, Fehlen von Häutungshilfen), Milbenbefall, Infektionen der Haut, Narben und einen schlechten Ernährungs- oder Gesundheitszustand (Mangelkrankheiten) liegen.

Werden die Häutungsreste nicht entfernt, kann dies ernsthafte Folgen haben. Unter Umständen können Zehen, Extremitäten oder Teile des Schwanzes absterben, da die Blutzirkulation durch die Hautreste gestört oder gar unterbunden wird. Nach jeder Häutung sollten daher die „Problemregionen“ wie Zehen, Schwanzspitzen, Rückenkammstacheln, Hemipenistaschen und die „Brille“ (bei Schlangen, einigen Echsen) auf Häutungsreste hin kontrolliert werden.

Häutungsreste dürfen niemals gewaltsam entfernt werden, da dadurch erhebliche Hautverletzungen entstehen können. Die Tiere sollten entweder im warmen Wasser gebadet oder die betreffende Stelle mit feuchten Kompressen abgedeckt werden, anschliessend können die Häutungsreste vorsichtig entfernt werden. Gleichzeitig müssen die Ursachen für die Häutungsschwierigkeiten beseitigt werden. Im Einzellfall sollten die Tiere auch einem Tierarzt vorgestellt werden.


Infektiöse Erkrankungen

Unter einer Infektion versteht man die Übertragung und das Eindringen eines Erregers auf bzw. in den Organismus. Die Zeitspanne vom Beginn der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit wird als Inkubationszeit bezeichnet. Diese schwankt abhängig vom Erreger und dem Allgemeinzustand des Tieres zwischen Stunden und Monaten. Man unterscheidet nach den auslösenden Erreger Virosen (Virusinfektionen), bakterielle Infektionen, Mykosen (Pilzinfektionen) und Parasitosen.


Durch Viren verursachte Krankheiten

Viren sind kleinste infektiöse Partikel mit einer durchschnittlichen Grösse zwischen 20-300 nm (1nm = 0, 000001 cm). Sie bestehen nur aus Erbinformation sowie einer schützenden Eiweisshülle und weisen keinen eigenen Stoffwechsel auf. Eine Vermehrung ist ihnen nur in den lebenden Zellen eines Wirtes möglich. Damit stehen sie an der Schwelle zwischen lebenden Organismen und unbelebter Materie, werden aber selbst nicht als eigenständige Lebewesen angesehen. Der direkte Nachweis der Viren kann nur durch aufwändige Labormethoden oder mittels Elektronenmikroskopie erfolgen. Bis auf wenige Ausnahmen können Viruserkrankungen nicht medikamentös behandelt werden.

Insbesondere bei Riesenschlangen und Schildkröten sind in den letzten Jahren durch Viren verursachte , seuchenartig verlaufende Krankheiten bekannt geworden, auf die wir nachfolgend kurz eingehen möchten.

Einschlusskörperchen-Krankheit (IBD)

Eine Erkrankung, die in den letzten Jahren zunehmend die Halter von Riesenschlangen verunsichert, ist die sogenannte Inclusion Body disease (IBD) oder Einschlusskörperchen -Krankheit. Leider gibt es bisher nur sehr wenige Erkenntnisse über diese Krankheit.

Die IBD wird aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Retrovirus verursacht und ist bisher hauptsächlich bei Nachzuchttieren von Boas und Pythons aufgetreten. In der Zwischenzeit sind jedoch auch Fälle bei Viperiden und Lampropelten bekannt. Die meisten Erkrankungen wurden bislang in den USA diagnostiziert, aber auch in Europa und Deutschland sind inzwischen viele Fälle bekannt. Über das tatsächliche Ausmass der Erkrankung gibt es bisher jedoch keine verlässlichen Daten.

Die Symptome der IBD sind sehr unterschiedlich und unspezifisch. Charakteristisch für IBD – aber nur bei der Sektion bzw. bei einer Biopsie (Entnahme von Gewebe beim lebenden Tier) feststellbar – sind die namensgebenden Einschlusskörperchen, die in verschiedensten Organen wie der Lunge, dem Darm sowie in der Leber, der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) , der Milz, den Nieren, den Eierstöcken und Hoden sowie im Knochenmark und in Nervenzellen gefunden werden. Neben den bekanntesten Anzeichen von IBD im Endstadium, dem sogenannten „Sterngucken“ (Kopfschiefhaltung, die Schlange verdreht dabei den Kopf nach hinten), existiert noch eine breite Palette anderer klinischer Symptome. Hierzu zählen u. a. zentralnervöse Störungen wie unkontrolliertes Zittern, unkoordinierte Bewegungen und Lähmungen sowie Häutungsschwierigkeiten, Auswürgen der Nahrung, Atemwegserkrankungen, rapider Verlust von Gewicht und Muskelmasse, chronischer Darmentzündung und Entzündungen und Deformationen der Wirbelknochen. Letztendlich verenden die Tiere.

Die IBD ist eine bisher unheilbare Krankheit. Man vermutet, dass die Ansteckung über Ektoparasiten (z. B. Milben), jede Art von Körperflüssigkeit (Blut, Speichel, Sperma) und Ausscheidung (Kot, Urin) erfolgt. Die Übertragung des Virus im Mutterleib gilt als erwiesen.

Problematisch an der IBD ist, dass die Tiere offensichtlich jahrelang Träger und Ausscheider des Virus sein können, ohne selbst (u. U. sogar nie) daran zu erkranken. Zwar kann das Virus unter Umständen durch Blutuntersuchungen (nur bei Boiden) oder die Entnahme von Gewebeproben nachgewiesen werden. Negative Untersuchungsergebnisse bieten aber keine 100% Sicherheit, dass die Tiere auch tatsächlich virenfrei sind. Ein zuverlässiger Nachweis der Krankheit kann momentan nur  durch eine histopathologische Untersuchung innerer Organe am toten Tier erfolgen. Inwieweit eine strenge Quarantäne über mehrere Jahre einen Schutz vor IBD bietet ist fraglich. 

Weiter im Teil 2