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Krankheiten Teil2
In den vergangenen Jahren wurde regelmässig eine verlustreiche und seuchenhaft verlaufende Erkrankung bei Landschildkröten beobachtet, als deren Ursache Herpes-Viren nachgewiesen werden konnten. Besonders empfindlich reagieren Europäische Landschildkröten auf das Virus. Das Herpes-Virus wurde bisher aber auch bei Köhlerschildkröten, Waldschildkröten, Spaltenschildkröten, Argentinischen Landschildkröten, Pantherschildkröten und Ägyptischen Landschildkröten nachgewiesen. Andere Herpes-Viren wurden bei Europäischen Sumpfschildkröten und bei Wasserschildkröten dokumentiert.
Das Krankheitsbild und -verlauf können sehr unterschiedlich sein. Typisch für eine Infektion mit Herpes-Viren sind eine starke Rötung der Zunge bzw. des Maules sowie käsige Beläge auf der Zunge und Probleme bei der Atmung. Kranke Tiere zeigen zudem oft ein verschlechtertes Allgemeinbefinden. Sie sind träge, fressen wenig oder gar nicht. Neben diesen äußerlich sichtbaren Symptomen kommt es aber auch zu zahlreichen Veränderung im Körper selbst: Speiseröhre, Lunge und gelegentlich der Magen-Darm-Trakt können sich stark entzünden. Auch das Gehirn kann von der Infektion betroffen sein und die Tier zeigen merkwürdige Bewegungen oder unnatürliche Kopfstellungen. Die hochansteckende Krankheit endet oft mit dem Tod der Tiere. Die Infektion kann innerhalb von wenigen Tagen zum Tod führen (perakuter Verlauf). Selten sind chronische Verläufe, bei denen die Tiere über Wochen hinweg zentralnervöse Symptome, Schluckbeschwerden oder Nasenfluss zeigen. Andere Tiere zeigen dagegen nur phasenweise eine feuchte Nase oder leiden an Schluckbeschwerden, die über einige Stunden anhalten können, werden dann aber wieder symptomfrei.
Verdächtige Schildkröten sind sofort zu isolieren und tierärztlich zu versorgen. Eine direkte Bekämpfung des Virus ist nicht möglich, es können lediglich die Symptome sowie sekundäre bakterielle Infektionen behandelt werden. Überlebende bzw. einmal infizierte Schildkröten bleiben - auch ohne selbst Symptome zu zeigen - ihr Leben lang Träger und sporadisch auch Ausscheider des Virus und somit eine potenzielle Gefahr für Herpes-Virus-freie-Bestände. Bei einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens oder bei Stress (Transport, Winterschlaf oder eine neue Umgebung) kann die Erkrankung auch erneut ausbrechen.
Die Infektionen erfolgt i.d.R. von Tier zu Tier, auch eine Übertragung über das Ei kann nicht ausgeschlossen werden. Durch infizierte Schildkröten kann das Virus mit fatalen Folgen in andere Bestände eingeschleppt werden. Daher sollten neue Tiere – bevor sie in einen bestehenden Bestand integriert werden – während der Quarantäne auf Herpes-Viren (Bluttest auf Antikörper) untersucht werden.
Nach Aussagen von Tierärzten nimmt die Zahl der Herpesinfektionen beständig zu. Inzwischen sind auch viele Zuchtbestände in Europa mit Herpesviren verseucht, so dass auch Nachzuchttiere als verdächtige Herpesträger gelten müssen. Werden sie mit anderen Tieren zusammengebracht, führt dies oft zu einer Infizierung des Bestandes mit fatalen Folgen.
Wichtige Massnahmen zur Vermeidung des Ausbruchs einer Herpesinfektion sind:
- Strenge Einhaltung der Hygienevorschriften.
- Trennung der Landschildkröten nach Arten.
- Regelmäßige Kontrolle der Maulhöhle und Zunge
- Nie Tiere aus unterschiedlichen Beständen zusammensetzen. Neuerworbene Tiere müssen unbedingt einer Quarantäne unterzogen und auf eine Infektion mit Herpesviren untersucht werden.
- Tiere mit verdächtigen Symptomen müssen umgehend auf eine Infektion mit Herpesviren untersucht werden. Dies gilt auch für verendete Tiere (auch bei plötzlichen Todesfällen).
- Strikte Einhaltung des Rein-Raus-Prinzips.
Paramyxovirusinfektion
Infektionen mit dem Paramyxovirus wurden vor allem bei Elapiden (Giftnattern) und Viperiden (Klapperschlangen und Vipern) beobachtet, aber auch andere Schlangen wie Nattern und Riesenschlangen können davon betroffen sein. Vor allem Klapperschlangen sterben sehr schnell an der Infektion. Das Virus greift vor allem die Lunge an und verursacht dort erhebliche krankhafte Veränderungen des Gewebes. Darüber hinaus können auch Gehirn und Leber befallen werden.
Erkrankte Tiere zeigen eine Vielzahl von Symptomen, die häufig - trotz der starken Beeinträchtigung der Lungenfunktion - keinen Rückschluss auf eine Atemwegserkrankung zulassen. Zu den Symptomen zählen: Aufblähen der Kehlfalte, Atemgeräusche, Erbrechen, schleimiger Kotabsatz und zentralnervöse Störungen (z.B. unkoordinierte Bewegungen, Orientierungsschwierigkeiten, Krämpfe). Die Krankheit ist sehr ansteckend, eine Übertragung über die Luft ist nachgewiesen. Eine Behandlungsmöglichkeit ist bisher noch nicht bekannt. Deshalb sollten Neuerwerbungen längere Zeit in Quarantäne in einem separaten Raum gehalten werden. Der Nachweis der Infektion erfolgt bei akut erkrankten Schlangen über Rachentupfer oder die Sektion eines verstorbenen Tieres. Im Blut können nach überstandener Infektion Antikörper nachgewiesen werden.
Durch Bakterien verursachte Krankheiten
Bakterien sind einzellige Kleinstlebewesen mit einer Größe von 0, 1-20 μm (1000 μm =1mm), die überall in der Natur vorkommen. Bakterien können sich durch Teilung vermehren, die bei günstigen Bedingungen alle 10 - 30 Minuten stattfinden kann, so dass innerhalb kürzester Zeit eine explosionsartige Vermehrung möglich ist.
Anhand eines Färbeverfahrens – der so genannten Gram-Färbung – können zwei große Gruppen, die gramnegativen und die grampositiven Bakterien unterschieden werden. Der Nachweis und die Identifikation von Bakterien erfolgt über mikrobiologische Labormethoden (z. B. Anzucht der Bakterien auf verschiedenen Nährböden, Färbeverfahren).
Zu den wichtigsten Bakterien, die bei Amphibien und Reptilien eine Erkrankung verursachen können, gehören u.a.: Aeromonas, Citrobacter, Enterobacter, Escherichia coli, Klebsiella, Morganella morganii, Morganella rettgeri, Pseudomonas aeruginosa, Salmonellen sowie Staphylokokken.
Infektionskrankheiten durch Bakterien sind bei Terrarientieren weit verbreitet und dürften zu den häufigsten Todesursachen zählen. Dabei sind eine ganze Reihe von Bakterien (s. Kästchen) von Bedeutung, die insbesondere nach einer vorangegangenen Schwächung des Tieres (Faktorenerkrankungen) Erkrankungen verursachen können. Bakterielle Infektionen können:
- Lokal begrenzt sein, z. b. Abszesse oder Entzündungen der Haut
- Ganze Organe - z. B. die Lunge, den Darm oder die Nieren - betreffen
- Mehrere Organe bzw. den gesamten Organismus befallen.
Der Verlauf einer bakteriellen Erkrankung ist abhängig von der Pathogenität (Gefährlichkeit) des Erregers, der Keimdosis und dem Gesundheitszustand des Tieres. Generell wird zwischen einer akuten (sehr schnellen) und einer chronischen (langsamen) Verlaufsform unterschieden.
Bakterielle Infektionen können prinzipiell mit Antibiotika bzw. antibakteriell wirkenden Substanzen (z. B. Sulfonamide) behandelt werden. Eine falsche Anwendung dieser Medikamente kann aber zu Resistenzen der Keime, d. h. einer Unempfindlichkeit und damit Wirkungslosigkeit der Medikamente führen. Es sollte daher, wenn irgendwie möglich, die Behandlung nur mit einem Antibiotikum erfolgen, welches sich in einem Resistenztest als wirksam erwiesen hat.
Antibiotika dürfen nur nach Diagnose durch einen Tierarzt bzw. in Absprache mit ihm und auf keinen Fall vorbeugend verabreicht werden. Antibiotika sind immer verschreibungspflichtig. Es empfiehlt sich, eine Kopie des Rezeptes und der Behandlungsanweisung aufzubewahren.
Abszesse
Abszesse sind mit Eiter gefüllte Hohlräume und können unter der Haut, in der Muskulatur oder in inneren Organen vorkommen. Im Bereich der Haut und der Muskulatur sind sie häufig die Folge infizierter Verletzungen (z. B. Bisswunden). Besonders Ohrabszesse bei Schildkröten können häufig beobachtet werden. Da der Eiter bei Reptilien i.d.R nicht dünnflüssig ist, sondern meist eine feste Konsistenz besitzt (ähnlich wie Quark), kann er nicht abfließen und die Wunde nicht abheilen. Dadurch wächst der Abszess durch Einschmelzen von umgebendem Gewebe permanent weiter oder wird vom Organismus eingekapselt. Ein Abszess darf nur von einem Tierarzt behandelt werden.
Panzernekrosen bei Schildkröten
Eine Infektion des Schildkrötenpanzers mit Bakterien und/oder Pilzen wird als Panzernekrose bezeichnet. Diese kann nur kleine und oberflächliche Teile des Panzers betreffen, jedoch auch auf das Knochengewebe des Panzers übergehen und unter Umständen bis in die Leibeshöhle vordringen. Auch tödliche Verläufe sind bekannt.
Besonders häufig ist i.d.R. der Bauchpanzer betroffen. Panzernekrosen sind immer ein Hinweis auf eine ungenügende Haltung (z. B. rauer oder spitzer Untergrund) bzw. mangelhafte Hygiene. Die Therapie beinhaltet die Beseitigung der Ursachen (Optimierung der Haltung) sowie eine chirurgische und/oder systemische Behandlung durch einen Tierarzt.
Maulfäule
(Mundfäule, Stomatitis ulcerosa)
Bei der Maulfäule handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Maules, in deren Verlauf das Zahnfleisch – und unter Umständen sogar die Kieferknochen – der betroffenen Tiere zerstört wird. Begünstigt wird die Erkrankung durch Stress (zu kühle Temperaturen, Transporte etc.), mangelnde Hygiene, Parasitosen, Mangelerscheinungen (vor allem Vitamin C - Mangel) und Verletzungen der Mundschleimhaut. Bei dermaßen vorgeschädigten Tieren können sich Bakterien, die normalerweise immer im Maul von Reptilien nachgewiesen werden können, stark vermehren und Entzündungen des Zahnfleisches hervorrufen.
Erstes Anzeichen einer Maulfäule sind punktförmige Rötungen in der Schleimhaut. Es bildet sich zäher und schaumartiger Speichel auf den Lippen und im Maul der betroffenen Tiere. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer starken Vereiterung des Zahnfleisches und der Zahntaschen. Aufgrund der Schmerzen verweigern die Tiere auch die Nahrungsaufnahme. Das Vollbild der Krankheit zeigt ein Auseinanderklaffen von Ober- und Unterkiefer durch die geschwollene Maulschleimhaut und großflächige eitrige Beläge auf dem Zahnfleisch. In Folge der massiven Eiterherde im Maul kann die Infektion auch auf die Lunge und den Magen-Darmtrakt übergreifen. Die meisten Tiere verenden an einer Blutvergiftung.
Erkältungskrankheiten
Ähnlich wie bei der Maulfäule erkranken vor allem Tiere an einer Lungenentzündung, deren Immunsystem durch Stress (zu kühle Temperaturen, plötzlicher Temperaturabfall, Transporte etc.), mangelnde Hygiene, Parasitosen und/oder Mangelerscheinungen geschwächt ist. Die bakterielle Infektion der Atemwege äussert sich in einer verstärkten Schleimbildung im Maul und der Luftröhre, Bläschenbildung an den Nasenöffnungen oder dem Maul, Atmen mit geöffnetem Maul und Atemgeräuschen. Bei Wasserschildkröten kann gelegentlich eine schiefe Schwimmlage beobachtet werden, zuweilen sind die Tiere nicht mehr fähig abzutauchen. Meist sitzen sie vermehrt an Land.
Da es Amphibien und Reptilien aufgrund des sackartigen Aufbaus der Lunge und des fehlenden Zwerchfells nicht möglich ist, Schleim und Flüssigkeit, welche sich in den Lungen befinden, abzuhusten, kommt es im weiteren Verlauf einer Lungenentzündung, i.d.R. zu größeren Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und einer drastischen Verschlechterung der Atmung.
Entzündungen des Verdauungstrakts
Sehr häufig treten bei Terrarientieren Entzündungen des Verdauungstraktes auf, in deren Folge es zum Erbrechen (Auswürgen) der Nahrung und/oder zu Durchfällen kommt. Der Kot ist häufig breiig, übelriechend und enthält gelegentlich Beimengungen von eitrigem, gelblichweissem Schleim oder dunkelrotem, verdautem Blut.
Aufgrund der Vielzahl der möglichen Ursachen, dem akuten Krankheitsverlauf und dem mit den Durchfällen verbundenen Flüssigkeits- und Mineralverlust, müssen Tiere mit Verdacht auf eine Entzündung des Verdauungstraktes schnellstmöglich einem Tierarzt vorgestellt werden.
Tuberkulose
Die (Kaltblüter-)Tuberkulose bei Reptilien und Amphibien wird durch Mykokakterien (M. cheloniae, M. fortuitum, M. thamnopheus, M. xenopi) verursacht. Sie äußert sich in der Bildung von typischen Geschwüren (Granulome) in den inneren Organen und eventuell unter der Haut. Am lebenden Tier ist sie daher kaum zu diagnostizieren. Da Mykokakterien Zoonoseerreger sind, die beim Menschen Hautveränderungen (Schwimmbadgranulom) oder auch systemische Infektionen auslösen können, sollten infizierte Tiere euthanasiert werden.
Da Zierfische relativ häufig an Fischtuberkulose leiden, dürfen kranke oder verendete Zierfische nicht an Reptilien oder Amphibien verfüttert werden, um eine Übertragung der Mykobakterien auszuschließen.
Salmonellose
Momentan sind über 200 Salmonellenarten bzw. Serotypen (Salmonella) bekannt, welche beim Menschen akute Magen-Darm-Infektionen mit Fieber und z.T. schwerem akutem oder chronischem Durchfall, aber auch Entzündungen der inneren Organe hervorrufen können. Salmonellen sind weit verbreitet und bei einer Vielzahl von warm- und kaltblütigen Tieren anzutreffen. Ein großes Salmonella-Reservoir stellen dabei Reptilien dar, die zu einem hohen Prozentsatz zwar Träger und Ausscheider von Salmonellen sind, jedoch nicht selbst daran erkranken (latente Infektion). Latent infizierte Tiere können durch Erkrankung, Futterwechsel, Stress und/oder schlechte Haltungsbedingungen eine Schwächung des Immunsystems erfahren, so dass die Salmonellen die Darmschranke durchbrechen und den tierischen Organismus überschwemmen. Diese sekundäre Salmonellose führt letztendlich zu einer klinischen Erkrankung.
Salmonellen und vorbeugende Kotuntersuchungen? v. Dr. Silvia Blahak
Die häufige Empfehlung, durch Kotuntersuchungen einen Befall mit Salmonellen feststellen zu lassen, halte ich (und andere) für unbrauchbar bis gefährlich. Ein negatives Untersuchungsergebnis bedeutet noch nicht, dass das Tier salmonellenfrei ist, sondern dass es z. Z. keine Salmonellen ausscheidet. Ein solcher (negativer) Befund wiegt den Halter also in falscher Sicherheit. Aber auch ein positiver Befund birgt erhebliche Risiken. Was soll wohl die Folge bei einem positiven Befund sein? Eine Therapie?
Dies wäre absolut kontraindiziert, da so auch die normale Darmflora gestört wird und in der Regel sowieso keine vollständige Salmonellenfreiheit zu erreichen ist. Unnötige Salmonellentherapien schwächen das Tier und erzeugen Resistenzen bei den Bakterien. Man sollte als Halter daher von vornherein davon ausgehen, dass Reptilien Salmonellenträger sein können und sich darauf einstellen.
Nach einer ( wenn auch nicht unumstrittenen) Studie aus den USA sollen jährlich 280000 Infektionen beim Menschen, d. h. 14% aller Salmonellosefälle in den USA, allein auf Wasserschildkröten zurückzuführen sein. Ähnliche Zahlen liegen für Deutschland nicht vor. Da die Schwere einer Salmonelleninfektion vom Zustand des Immunsystems des Wirtes, der Anzahl der aufgenommenen Salmonellen und der Virulenz* des Salmonellen-Stammes abhängt, sollten insbesondere bei immungeschädigten Personen und bei Haushalten mit Kleinkindern entsprechende Vorsichtsmassnahmen getroffen werden. Hierzu zählen:
- Eine angemessene Quarantäne (mindestens 8 – 12 Wochen).
- Händewaschen nach jedem Kontakt mit dem Tier, seinen Ausscheidungen oder dem Terrarium.
- Kein Freilauf in der Wohnung
- Jeder direkte und indirekte Kontakt von Reptilien bzw. Amphibien, ihren Ausscheidungen sowie Terrarieneinrichtungen (z. B. Fressnapf, Wasserbehälter oder Dekorationsgegenständen) mit Lebensmittel (Küche) muss vermieden werden. Durch mangelnde Hygiene können Salmonellen in Lebensmittel gelangen und dort einen idealen Nährboden für ihre Vermehrung vorfinden. Beim Genuss der Lebensmittel wird der Organismus dann mit einer sehr hohen Keimzahl belastet.
*Unter Virulenz versteht man die den Grad der Pathogenität bestimmende Infektionskraft eines Erregers, d. h. seine Fähigkeit, in gesundes Gewebe einzudringen, sich dort zu vermehren u. den Wirtsorganismus durch Toxizität zu schädigen oder teilweise zu zerstören.
Durch Pilze verursachte Krankheiten (Mykosen)
Unter Mykosen versteht man durch (pathogene) Pilze hervorgerufene Erkrankungen. Pilze nehmen eine Sonderstellung zwischen den Tieren und Pflanzen ein. Sie kommen überall in der Natur (besonders an warmen sowie feuchten Stellen) vor und können sich unter geeigneten Bedingungen durch Sprossung oder Sporen sehr schnell ausbreiten. Eine gesundheitsschädigende Wirkung geht von ihnen üblicherweise nicht aus. Nur Tiere, die bereits geschwächt sind oder deren Abwehrkräfte nicht mehr funktionieren, können an einer Mykose erkranken. Auch eine Antibiotikabehandlung kann den Ausbruch einer Pilzinfektion begünstigen.
Verantwortlich für Mykosen sind Schimmel- und Hefepilze, u. a. Mukor, Rhizopus, Fusarium, Aspergillus und Penicillium. Man unterscheidet Pilzinfektionen der Haut (Dermatomykosen) oder des Panzers (Panzermykosen), des Darmes (Darmmykosen) und der inneren Organe, wie beispielsweise der Lunge (Systemmykosen).
Bei Amphibien und Reptilien ist hauptsächlich die Haut, bei Schildkröten der Panzer betroffen. Vorschädigungen, wie z. B. kleine Risse, sind dabei ideale Eintrittspforten für eine Infektion. Ein Pilzbefall beginnt meist auf der Bauchseite und äußert sich im Anfangsstadium durch abgespreizte oder braunumrandete bzw. - gefleckte Schuppen oder in einer entsprechenden Veränderung des Panzers. Mykosen sind zudem häufig von einer bakteriellen Infektion begleitet. Vermehren sich die Pilze weiter, so können sich großflächige Wunden bilden. Eine sichere Diagnose ist nur durch eine Laboruntersuchung möglich.
Alle Mykosen sind sehr hartnäckige und schwer therapierbare Erkrankungen. Während die Heilungsaussichten bei Haut- oder Panzermykosen unter den entsprechenden Haltungsbedingungen relativ gut sind, sind die Heilungsaussichten bei systemischen Mykosen sehr gering.
Pilzerkrankungen bei Amphibien
Bei Amphibien sind mehrere Mykosen bekannt. Zu den bedeutensten Verursachern gehören die Schwärzepilze (Chromomykose) und der Erreger Batrachochytrium dendrobatidis, der zur Ordnung Chytridiales gehört. Die Chrytridiomykose wird als eine der Hauptursachen für das weltweite Amphibiensterben angesehen.
Bei der Chromomykose handelt es sich um eine generalisierte Mykose, die außer der Haut auch die inneren Organe befällt. Äußerliche Anzeichen sind tumorähnliche Schwellungen der Haut.
B. dendrobatidis konnte bisher bei 37 Amphibienarten nachgewiesen werden. Die Pilze leben parasitisch in bestimmten Hautzellen, umgeben sich nach dem Heranwachsen mit einer Chitinwand und bilden viele Schwärmer aus. Die Schwärmer gelangen ins Wasser und infizieren als Zoosporen neue Wirtszellen. Als Folge der Infektion kommt es zu Hautveränderungen, Blutungen und Hautablösungen. Dadurch kann die Hautatmung und die Wasseraufnahme über die Haut blockiert werden.
Durch Parasiten verursachte Krankheiten (Parasitosen)
Parasiten sind Lebewesen, die in oder auf einem artfremden Wirt leben und von ihm Nahrung beziehen. Diese Definition kann prinzipiell auf Tiere, Pflanzen, Bakterien oder Viren angewendet werden, die als „Gast“ mit einem Wirt zusammenleben. Traditionell zählen zu den Parasiten im eigentlichen Sinne die parasitären Einzeller (Protozoen), parasitische Würmer (Helminthen) und parasitischen Arthropoden.
Parasitismus ist eine der erfolgreichsten und am weitesten verbreiteten Lebensweisen. Die Formen des Parasit-Wirt-Verhältnisses und damit der Grad, inwieweit der Parasit von seinem Wirt profitiert (schmarotzt) bzw. der Wirt durch den Parasit geschädigt wird, können sehr variabel sein.
Da im Zoofachhandel regelmäßig Wildfänge angeboten werden, die naturgemäß einen gewissen Befall mit Parasiten aufweisen, möchten wir im Folgenden auf die wesentlichen Grundzüge des Parasitismus eingehen und anschließend einige für die Terraristik relevante Parasitengruppen vorstellen.
Eine kurze Einführung in die Parasitologie
Im allgemeinen Verständnis sind Parasiten Organismen, die von einem Wirt profitieren, indem sie direkt von ihm oder an seiner Nahrung schmarotzen. Inwieweit der Wirt dabei von den Parasiten geschädigt wird, hängt von mehreren Faktoren ab, u. a. „Gefährlichkeit“ des Parasiten, der Befallsdichte und dem Allgemeinzustand des Wirtes.
Die Formen des Parasitismus
Parasiten, die auf der Körperoberfläche ihres Wirtes schmarotzen, werden als Außen- oder Ektoparasiten bezeichnet. Sie leben dort - bei Reptilien und Amphibien – von der Hautsubstanz oder saugen Blut- bzw. Gewebsflüssigkeit. Im Wirtsinneren lebende Parasiten bezeichnet man als Innen- oder Endoparasiten. Zu den Endoparasiten zählen neben den Arten im Inneren des Darmes (z. B. diverse Bandwürmer und Nematoden) auch Parasiten anderer Organen wie der Leber, der Lunge oder des Gehirnes sowie des Blutes und von Geweben. Ein Grossteil aller Parasiten ist beim Nahrungserwerb und/oder der Vermehrung auf den Wirt angewiesen. Diese obligaten Parasiten werden von den fakultativen unterschieden, die in der Lage sind, sich auch ohne Wirte zu ernähren. Parasiten können zudem ihre Wirte nur zeitweise (temporär) aufsuchen, wie beispielsweise Milben, Zecken und Sternmücken, oder sie befinden sich ständig (stationär) auf bzw. in dem Wirt.
Parasiten haben als Anpassung an ihre Lebensweise häufig komplexe Entwicklungs- und Vermehrungsstrategien entwickelt, die oftmals einen Wechsel zwischen mehreren Wirten sowie eine geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzung einschließen. Diese Entwicklung lässt sich am übersichtlichsten in Form von Lebenszyklen darstellen.
Bei der einfachsten Form des Parasitismus wird nur ein Wirt benutzt und es findet eine direkte Entwicklung statt (monoxene Parasiten). Typisches Beispiel hierfür sind die Milben, die von ihren Wirten Blut saugen und für die Entwicklung ihrer Eier bzw. Larven keine weiteren Wirte benötigen. Findet dagegen ein Wechsel zwischen zwei oder mehreren Wirten statt, liegt eine indirekte Entwicklung vor (heteroxene Parasiten). So sind beispielsweise die Eier und Larven von Bandwürmern, die im Darm von fleischfressenden Säugetieren leben, für ihre Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier auf mehrere Zwischenwirte, wie Insekten und Reptilien angewiesen.
Systematische Gliederung der Parasiten
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Einzellige Parasiten |
Mehrzellige Parasiten |
| z.B. Flagellaten, Amöben, Kokzidien |
Würmer (Helminthen) |
Plattwürmer (Plathelminthes) u.a. Saugwürmer (Trematoda) und Bandwürmer
(Cestoda)
Fadenwürmer (Nematoda), u. a. Madenwürmer (Oxyuren), Fadenwürmer
(Filarien),Spulwürmer (Askariden),
Lungenwürmer (Rhabditiden) Ringelwürmer (Annelida) |
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Gliederfüsser (Arthropoden) |
Zungenwürmer (Pentastomida), Spinnentiere (Chelizerata),u.a. Zecken, Milben, Insekten (Insecta), u.a. Stechmücken, Raubwanzen |
Bei der Betrachtung heteroxener Lebenszyklen unterscheidet man zunächst End- und Zwischenwirte. Im Endwirt findet die sexuelle Vermehrung der Parasiten statt, wohingegen in den Zwischenwirten Entwicklungsvorgänge des Parasiten - oftmals verbunden mit einer ungeschlechtlichen Vermehrung - stattfinden. Sind in einem parasitären Lebenszyklus mehrere Zwischenwirte eingebunden, werden diese gewöhnlich als erster beziehungsweise zweiter Zwischenwirt usw. bezeichnet. Während viele Parasiten so stark an ihre Wirte, d. h. eine spezielle Tierart, angepasst sind, dass sie nur in diesen überleben können, weisen andere, wie z. B. Milben und Zecken, eine wesentlich geringere Wirtsspezifität auf und können an/in unterschiedlichsten Wirten, sprich Tierarten, parasitieren.
Während Ektoparasiten ihre Wirte schwer schädigen können, leben Endoparasiten i.d.R. mit ihren Endwirten in einer besonderen Form der Koexistenz, d.h. bei einem „normalen“ Befall wird dieser nicht geschädigt. Zwischenwirte werden dagegen von den Parasiten oftmals schwer geschädigt und werden somit auch zu einer leichteren Beute für die Endwirte, womit der Lebenszyklus für den Parasiten schließt.
Eine gezielte Therapie gegen Parasiten ist ohne eine exakte Bestimmung des Parasiten und genaue Kenntnisse über dessen Lebenszyklus nicht möglich. Eine genaue Diagnosestellung und damit verbunden eine erfolgreiche Behandlung ist somit nur durch einen erfahrenen Tierarzt oder ein Fachlabor möglich. Wegen der Unkenntnis möglicher Unverträglichkeiten sollten Tierhalter keine Arzneimittel zur Parasitenbekämpfung anwenden, die sie von anderen Personen außer Tierärzten erhalten haben. Die Dosierungsanweisungen, d. h. die Menge (Dosis) und die Dauer der Behandlung, sind strikt einzuhalten.
Wirte, Parasiten und Stress
- In der Regel bauen die meisten Endoparasiten ein stabiles Wirt-Parasit-Gleichgewicht auf, um ihre Wirte langfristig auszunutzen. Ein „normaler“ Befall mit Parasiten wird daher i.d.R. vom Wirt ohne grössere Schwierigkeiten vertragen. Auf geschwächte Tiere kann sich diese „Grundbelastung“ jedoch extrem gesundheitsschädlich auswirken.
- Aufgrund der hohen Wirtsspezifität vieler heteroxener Endoparasiten kann sich der Entwicklungszyklus der Parasiten im Terrarium nicht schliessen und es können keine weiteren Infektionen des Endwirtes erfolgen. Bei monoxenen Parasiten ist dagegen eine Reinfektion möglich, da keine Zwischenwirte benötigt werden. Solche Parasiten können sich explosionsartig in einem Bestand vermehren.
- Ein Massenbefall mit Parasiten ist oftmals als ein Alarmzeichen zu werten und kann auf weitergehende Erkrankungen und /oder schlechte Haltungsbedingungen hinweisen.
Ektoparasiten
Ektoparasiten schaden ihrem Wirt in geringer Anzahl kaum. In grösserer Anzahl können sie ihre Wirte jedoch erheblich belasten und sogar zum Tode führen. Juckreiz, Schlafmangel, Blutverlust, Entzündungen und Übertragung von Viren oder Bakterien können die Folge eines Befalles mit Ektoparasiten sein. Die beste Vorbeugung gegen einen Befall mit Ektoparasiten ist die regelmässige und gründliche Reinigung und Desinfektion der Haltungseinrichtung sowie eine ständige Kontrolle der Tiere. Hierbei muss beachtet werden, dass einige Ektoparasiten ihre Wirte nur nachts aufsuchen und sich tagsüber in Ritzen, dem Bodengrund u.ä. verstecken. Nachfolgend werden einige wichtige Parasiten vorgestellt.
Milben
Milben sind kleine Spinnentiere mit einem Durchmesser von 0,1-7mm, die über beissende, saugende oder stechende Mundwerkzeuge verfügen. Neben Milben, die in der Haut von Amphibien parasitieren, wurden bisher ca. 250 Milbenarten als Reptilienparasiten identifiziert. Von besonderer Bedeutung ist dabei die weltweit verbreitete und blutsaugende - im vollgefressenem Zustand max. 1mm grosse - Schlangenmilbe (Ophionyssus natricis). Trotz ihres Namens befallen die Schlangenmilben nicht nur Schlangen, sondern auch bestimmte Echsen. Schildkröten werden dagegen kaum von Milben befallen.
Unter günstigen Bedingungen können sich Schlangenmilben innerhalb weniger Tage bis Wochen explosionsartig vermehren. Die Weibchen legen dabei mehrmalig zwischen 200 - 400 Eier in Nischen oder ähnliche Verstecke ab, aus denen nach wenigen Tagen die Larven (Nymphen) schlüpfen. Nach ca. 3 Wochen ist die Entwicklung vollendet und die Tiere sind geschlechtsreif. Bei ungünstigen Umweltbedingungen können die Larven im Extremfall bis zu 3 Jahren in einer Art Ruhestadium überdauern.
Schlangenmilben und andere bei Reptilien parasitierende Milbenarten nisten sich zwischen und unter den Schuppen ein. Bevorzugte Körperstellen sind dabei die Gelenkbeugen, der Nacken, die Schwanzunterseite sowie die Augengegend und das Trommelfell. Alle Stadien - Nymphen und adulte Milben -ernähren sich vom Blut der Reptilien, was bei einem hochgradigen Befall insbesondere bei Jungtieren zu einer Blutarmut (Anämie) führen kann. Neben dem Blutentzug verursachen die Milben auch Entzündungen der Haut und können zudem auch Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien übertragen.
Schlangenmilben können aufgrund ihrer geringen Grösse und der Tatsache, dass sie nach der Blutmahlzeit ihre Wirte wieder verlassen, oftmals nicht direkt an den Wirtstieren nachgewiesen werden. Weitere Anzeichen für einen Befall sind: Unruhe, Juckreiz, Aggressivität, verstärktes und langandauerndes Baden. Veränderung der Schuppen und Kotflecken der Milben. Häufig finden sich die Schlangenmilben in den Versteckmöglichkeiten sowie in den Badegefässen - da die befallenen Tiere durch Dauerbaden versuchen den Juckreiz zu mildern. Weisse oder helle Badegefässe erleichtern hierbei den Nachweis.
Schlangenmilben gelangen meistens durch unkontrollierte Bestandsveränderung (keine Quarantäne) oder über Futtertiere, Einstreu oder Pflanzen in das Terrarium. Eine gezielte Behandlung - die immer unter der Aufsicht eines Tierarztes erfolgen sollte, da alle Mittel gegen Milben auch für Reptilien giftig sind - muss folgende Ziele haben:
1. Vernichtung aller Milben auf den Tieren selbst
2. Vernichtung aller Milben im Terrarium (Hierzu muss das Terrarium vor der Behandlung weitestgehend ausgeräumt werden. Der Bodengund, Pflanzen und Dekorationsmaterialien, die nicht vollständig desinfiziert werden können, müssen weggeworfen bzw. entfernt werden. Tongefässe o.ä sollten über mehrere Stunden hinweg bei 150°C gründlich erhitzt werden. Nach der Behandlung muss das Terrarium gründlich gereinigt und anschliessend desinfiziert werden.)
3. Zerstörung aller Milbeneier im Terrarium.
4. Vernichtung der Milben und Milbeneier ausserhalb des Terrariums, da die Tiere auch auswandern können.
Schlangenmilben können auf den Menschen übergehen und eitrige Hautpusteln hervorrufen.
Neben den Schlangenmilben findet man gelegentlich auch andere Milben bei Reptilien und Amphibien, die ebenfalls erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen können.
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